Schreibdenken

Zwei Dinge auf einmal?

Ja, denn wir können tatsächlich gleichzeitig schreiben und denken. Wenn wir einen Satz schreiben, können wir in Gedanken schon den nächsten formulieren. Diese zentrale Fähigkeit menschlichen Handelns bildet die Grundlage für das von Ulrike Scheuermann entwickelte Konzept des „Schreibdenkens1“. Schreiben wird dabei nicht nur als Mittel zur Textproduktion und Kommunikation verstanden, sondern vielmehr als Lern- und Denkwerkzeug genutzt. Beim Schreibdenken werden verschiedene schreibdidaktische Techniken eingesetzt, um die Kreativität fördern, aber insbesondere auch um „implizites Wissen explizit zu machen“2. Dann, wenn wir versuchen, neue Informationen in unseren eigenen Worten auszuformulieren, setzen wir uns aktiv mit dem Gelernten auseinander, knüpfen Assoziationen mit bereits vorhandenem Wissen und verankern es dauerhaft in unserem Gedächtnis. Aber nicht nur unsere kognitiven und reflexiven Fähigkeiten werden durch das Schreibdenken verbessert, auch der individuelle Zugang zum Schreiben wird gefördert. Durch regelmäßiges Schreiben wird langfristig die eigene Schreibkompetenz und Schreibleistung gesteigert.

1Scheuermann, Ulrike (2016 [2012]): Schreibdenken. Schreiben als Denk- und Lernwerkzeug nutzen und vermitteln. 3., durchgesehene Auflage. Opladen: Verlag Barbara Budrich.

2Scheuermann 2016, S. 22.